Buxtrade Stadion

Mit Leidenschaft zum Erfolg: Der Aufstieg von „buXtrade

Das Flackern der Bande lässt ein Unternehmen leuchten – Die unglaubliche Traumkarriere des Julian Meyer

Julian Meyer ist Fußball-Fan. Sein Herz schlägt für den HSV. Am 10. Mai 2025 noch schneller, denn das war der Freudentag im Leben des Buxtehuders. Der HSV war nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga. Das Volksparkstadion wurde zum Epizentrum der Hamburger Feierbiester. Mittendrin Julian Meyer, dessen Freude nachhaltig war. Nicht nur wegen des Fußballs. Der HSV-Aufstieg entpuppte sich als ein grandioser Werbeerfolg für sein Unternehmen, denn im Taumel des Erfolgs flimmerten die „buxtrade“-Werbebanden über die TV-Bildschirme. Für Julian Meyer war es die unverhoffte Krönung einer genialen Geschäftsidee. Vision, Leidenschaft, Talent – die Definition des Dreiklang der Traumkarriere des jungen Buxtehuders.  

Wer die Geschichte des Julian Meyer hört, fühlt sich zwangsläufig an die Gründungsmythen des Silicon Valley erinnert, denn Bill Gates (Microsoft) und Steve Jobs (Apple) sollen den Grundstein ihrer Unternehmen in den elterlichen Garagen in Kalifornien und New Mexiko gelegt haben. Zumindest im Ursprung hinkt der Vergleich nicht, denn die ersten geschäftlichen Aktivitäten entwickelte der damals 21-jährige Julian Meyer im Keller des Elternhauses in der Rübker Straße. Jetzt, zwölf Jahre später, steht ein Umsatz von 30 Millionen Euro in der Bilanz des 33-jährigen Buxtehuders, dessen Unternehmen jedem Fußballfan im Lande nahezu jedes Wochenende begegnet. 

Buxtrade Julian Dose

„Aus einer Laune heraus folgte ich meiner Idee, ohne zu ahnen, was daraus wird“, erzählt Geschäftsführer Julian Meyer beim DEICHLUST-Besuch am Firmensitz am Ortseingang Buxtehudes. Der 2023 gebaute Unternehmenskomplex mit mehr als 1.800 Quadratmetern Lagerfläche sowie Büro- und Konferenzräumen ist das Logistikzentrum von „buxtrade“, in dem ein 30-köpfiges Team jeden Tag 1.200 Pakete mit Zuckerersatz, Superfoods, Lebensmittelzusätzen, Nahrungsergänzungsmitteln, Gewürzen, Aromen, Nüssen oder Trockenfrüchten füllt und versendet. Der Fokus liegt auf Deutschland, doch auch das Ausland gewinnt an Bedeutung. 

Die Idee hat der junge Speditionskaufmann im Job bei einem Hamburger Logistiker entwickelt, der Nahrungsergänzungsmittel umsetzte. Weil er jeden Tag sah, wie das Geschäft mit diesen Produkten florierte, fing er mit einem kleinen Handel und einem Partner im Nebenbusiness an. Nüsse, Trockenfrüchte, Nahrungsergänzungsmittel, Gewürze, Zuckerersatz und Aromen, das waren die Produkte, die auf dem heimischen Markt gekauft, online offeriert und in kleinen Mengen verpackt und versendet wurden. Ein Name war auch schnell gefunden: „buxtrade“. „Ich würde dazu gerne eine Geschichte erzählen, aber die gibt es nicht, ich weiß nicht einmal mehr, wie ich auf den Namen gekommen bin.“ „buxtrade“, schlicht, einprägsam und erfolgreich. 

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Meyer kündigte seinen Job und wurde Vollzeitunternehmer – zunächst ohne Mitarbeiter, ab Mitte 2017 mit fünf, ab 2020 mit 15 und heute mit 30 Beschäftigten. Nach einer Zwischenstation in einer ersten Lagerhalle in Neu Wulmstorf kehrte das Unternehmen 2017 nach Buxtehude zurück in den Alten Postweg.

Dann kam die Corona-Pandemie – und mit ihr eine Idee, die alles veränderte und die das Unternehmen in eine neue Liga aufsteigen ließ.  

Eine Idee, mit der Julian Meyer Geschäftssinn mit Leidenschaft paarte. Weil sein HSV im Volksparkstadion ohne Zuschauer spielen musste, aber eine hohe TV-Präsenz hatte, kaufte er für fünf Spiele eine Werbebande im Stadion. 

An die erste Übertragung erinnert er sich gerne: „Supernervös saß die Family vor dem Fernseher und feierte, wenn das ,buxtrade‘-Logo auf den LED-Banden im Stadion zu sehen war.“ Er selbst war einer von 2.000 zugelassenen Fans im Stadion. „Ich dachte, alle gucken mich an, obwohl mich ja keiner kannte.“

Meyer: „In erster Linie war das eine emotionale Sache, die ich damals günstig bekommen hatte.“ Dass sein Unternehmen aber durch die Decke gehen würde, habe er so nicht erwartet. Innerhalb kurzer Zeit stieg der Umsatz von fünf auf 25 Millionen Euro. Großkunden wurden gewonnen. Das Einkaufsverhalten der Menschen hatte sich im Lockdown geändert, Gesundheitsprodukte waren gefragt, und der Online-Handel florierte. Mittlerweile ist „buxtrade“ „offizieller Exklusiv-Partner“ beim HSV und längst nicht mehr nur auf den LED-Banden zu sehen. 

Mit dem Erfolg des Unternehmens wandelte sich auch Meyers Blick aufs Sport-Sponsoring. „Die genaue Wirkung lässt sich zwar nicht messen, aber die gesteigerte Wahrnehmung ist deutlich spürbar“, sagt er. Neben Reichweite bringt das Engagement neue Kunden – auch weil immer mehr Profis selbst zu Markenbotschaftern werden.

Sein Sponsoring ist deshalb längst nicht mehr (außer beim HSV) emotional unterlegt: In Wolfsburg, aber auch bei den Zweitligisten Hertha BSC und Greuther Fürth, wo „buxtrade“ ebenso wie beim Drittligisten Alemannia Aachen auf dem Trikotärmel steht. Ebenso ist „buxtrade“ beim heimischen Regionalligisten D/A auf Banden zu sehen; auch bei den Eisbären Berlin und den BSV-Handballerinnen in Buxtehude steht „buxtrade“. Beim BSV-Marketing ist Julian Meyer zudem als Gesellschafter engagiert. „Buxte ist meine Heimatstadt, da habe ich in Ottensen und beim BSV-Fußball gespielt“, bekennt der Unternehmer, der mit Lebensgefährtin, Sohn und Tochter „natürlich“ in Buxtehude wohnt und mittlerweile von drei Leidenschaften spricht. Familie, „buxtrade“ und HSV. Noch richte sich sein Leben nach den Spielplänen des HSV, wobei er bereit sei, nach der Einschulung seiner Tochter auch Kompromisse bei der Urlaubsplanung zu machen. 

Die Zukunft von „buxtrade“? Derzeit stehen 213 Produkte im Portfolio, von den Goji-Beeren über Omega 3, Matcha, Kardamon, Haselnüssen und Cranberries bis zu getrockneten Pflaumen und Lavendelblüten. Alles zu bestellen ab 100 Gramm bis zur Großhandelsware in Palettenmengen. Das Sortiment werde ständig erweitert, sagt Meyer, neue Märkte sollen moderat erschlossen werden – mit einem Team, das dem Stil des Chefs entspricht. Jung, dynamisch und nicht auf Hierarchien achtend. „Wenn einer ein Problem hat, kommt er zu mir“, sagt Julian Meyer, dessen kleines Büro nicht dem herkömmlichen Ambiente eines Chefs entspricht. Wer residiert schon in einem HSV-Fanshop? 

|  www.buxtrade.de

Deichlust

Text: Wolfgang Stephan · Fotos: buXtrade