Ein Mädelsnachmittag auf der Kegelbahn? Was eher nach einem Freizeitvergnügen aus der Jugend ihrer Großeltern klingt, erlebt auf der frisch sanierten Bahn im Landhotel Zur Eiche in Hedendorf ein kleines Comeback. Denn was schon vor zwei Generationen für gesellige Nachmittage und Abende sorgte, funktioniert offenbar auch bei 12- und 13-Jährigen ziemlich gut.
Charlotte schickt die Kugel auf die Bahn. Ein kurzes Rumpeln, dann fallen die Kegel. Nur einer hält die Stellung. Lene reißt die Arme hoch, Charlotte jubelt mit. Beim Tannenbaumkegeln zählt schließlich jeder Wurf. „Gut Holz!“, sagt hier allerdings niemand. Den traditionellen Keglergruß kennen die beiden Zwölfjährigen gar nicht. Brauchen sie offenbar auch nicht.
Carsten Dammann lächelt zufrieden. Genau so hatte er sich das vorgestellt. 2025 hat er Hotel und Restaurant mitsamt der Kegelbahn von seinem Vater Dierk übernommen. Die Bahn war damals bereits 50 Jahre alt – entstanden, als Kegeln voll im Trend lag. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, ob wir die Kegelbahn retten wollen“, sagt der Geschäftsführer. Doch am Ende überwog der Wunsch, das zu erhalten, wofür Kegeln seit jeher steht: gemeinsam Zeit zu verbringen. Für Gruppen und Vereine, für Kindergeburtstage, Familien- oder Freundetreffs und Weihnachtsfeiern. Dammann entschied sich gegen das Aus – und für einen Neuanfang. Mit Erfolg: Die Dezember-Wochenenden sind schon sehr gut gebucht.
Eiche rustikal war gestern
Nur die alten Holztüren sind geblieben. Sie erinnern daran, dass hier schon Generationen vor Charlotte und Lene ihre Kugeln rollen ließen. Helles Holz, sanfte Wandfarben und ein neues Beleuchtungskonzept geben der Kegelbahn heute ein völlig anderes Gesicht. Ein Großteil der alten Holzvertäfelungen ist verschwunden, die übrigen wurden gestrichen. Im Vorraum stehen neue Tische und Stühle. Auch technisch hat Dammann die Doppelkegelbahn ins Heute geholt. Zwei Monitore zeigen Spielstände und Ergebnisse, verschiedene Spiele lassen sich auf der Bahn spielen. Zum klassischen Kegelblock greifen eigentlich nur noch die Kegelvereine. Wer die Bahn mietet, hat sie samt Vorraum für sich. Bis zu 35 Personen finden hier Platz.
Während Lara, Charlotte, Lene, Marika, Maylin und die beiden Mathildas weiter um die nächsten Kegel kämpfen, wird für die Mädels in der Küche bereits gekocht. Auf der Karte steht gutbürgerliche deutsche Küche, ergänzt um saisonale Spezialitäten aus der Region: etwa gebratenes Zanderfilet mit Garnelenkruste, Graupen-Erbsen-Risotto, Rübengemüse und Krustentiersauce. Die Mädelsrunde hat sich für die Klassiker entschieden: Pommes, Chicken Nuggets und Burger.
Marika schafft als Erste alle Neune. In Erinnerung bleibt trotzdem die Mathilda-Technik
Nach dem Essen geht es noch einmal auf die Bahn. Diesmal ist das Ziel denkbar einfach: möglichst viele Einsen und Zweien werfen. Mathilda hat dafür ihre ganz eigene Technik. Die 13-Jährige nimmt kaum Anlauf und schickt die Kugel mit erstaunlich wenig Schwung auf die Reise. Im Schneckentempo rollt sie die Bahn hinunter. Und rollt. Und rollt. Bis es hinten schließlich doch rumpelt. Vier Kegel fallen. Ziel verfehlt. Die Mathilda-Technik überzeugt trotzdem. In der nächsten Stunde schicken auch die anderen ihre Kugeln im Schneckentempo über die Bahn.
Dass an diesem Nachmittag sieben 12- und 13-Jährige die frisch sanierte Bahn ausprobieren, passt ziemlich gut zu dem Weg, den Carsten Dammann mit dem Landhotel Zur Eiche eingeschlagen hat. Unterstützt wird Dammann von seiner Frau Sophia und seinem Bruder Axel. Bewahren, was sich über Generationen bewährt hat – und trotzdem mit der Zeit gehen: Das gilt nicht nur auf der Kegelbahn. Auch das Restaurant hat längst nicht mehr viel mit klassischer Landgasthaus-Romantik gemein. Moderne Einrichtung und klare Linien prägen heute das Haus am Rande des Alten Landes. Hier wird geheiratet und konfirmiert, Geburtstag gefeiert und Abschied genommen, getagt und geschult. Je nach Anlass finden Gesellschaften mit 15 bis 200 Personen Platz. Dazu kommen 25 Hotelzimmer, verteilt auf vier Gästehäuser.
Auf der Kegelbahn ist unterdessen längst die letzte Runde angebrochen. Eigentlich zumindest. Vor der Tür warten bereits die ersten Eltern, um Lara, Charlotte, Lene, Marika, Maylin und die beiden Mathildas abzuholen. Doch drinnen ist ans Aufhören noch nicht zu denken. „Nur noch schnell!“ Noch eine Kugel. Noch ein Versuch. Der Tannenbaum ist schließlich noch nicht fertig. Lara und Mathilda fehlt nur noch die Neun. Am Ende bleibt sie stehen. Der Tannenbaum ist nicht geschafft. Vielleicht ein guter Grund, wiederzukommen.

Text: Mona Adams · Fotos: Volker Schimkus

