Ein bisschen Urlaub. Ein bisschen Zuhause.
Alina und Hasan Celik haben mit dem VOI einen Ort kreiert, der sowohl den Gaumen erfreut als auch das Auge – mit modernem Interieur und echter Gemütlichkeit. Einen Ort, so gemütlich wie das eigene Wohnzimmer. Das Deichlust-Menü kommt in dieser Ausgabe aus der Hansestadt Buxtehude. Kreativ, spannend, saisonal.
Das VOI ist anders. Allein schon wegen seiner Lage. Mitten in der Buxtehuder Altstadt – direkt am Fleth, mit Blick auf den Ewer Margareta. Wasser vor der Tür, Backstein ringsum, kurze Wege in alle Richtungen. Wer hier sitzt, ist mittendrin – und doch raus aus dem Rest.
Hinter dem VOI stehen zwei, die früh angefangen haben, wie kaum andere. Und sich und ihr Unternehmen ständig weiterentwickelt haben. Alina und Hasan Celik (beide 32) sind seit der Schulzeit ein Paar. 2013 saßen sie gemeinsam im Klassenzimmer an der BBS in Buxtehude. Während Alina danach Gesundheitsökonomie studiert, steht Hasan hinter dem ersten eigenen Tresen. Mit 18 Jahren übernimmt er seine erste kleine Bar am ZOB in Buxtehude. Mit 23 folgt das erste gemeinsame Projekt: das MA VIE, zunächst bei der Kirche, ein Jahr später der Umzug in die Abtstraße. Die Bar wird schnell zu einer festen Adresse und legte den Grundstein für alles, was danach kam. Vier Jahre später übernehmen die Buxtehuder das VOI. Nur ein Jahr später das Hotel zur Mühle darüber. Fünf Stationen in weniger als zehn Jahren. Keine Zufälle, sondern klare Entscheidungen. Hasan hat sich vieles selbst beigebracht. Er ist der operative Geschäftsführer, während Alina vor allem Personal und Service im Blick hat. Entscheidungen treffen sie immer gemeinsam. „Unser Steuerberater sagt immer, wir hätten ambitionierte Ziele – und erreichen sie dann trotzdem“, so der Unternehmer. „Ich weiß, was wir können und schätze die Risiken ab“, sagt er selbstbewusst.
Mit Zeit, Energie und Leidenschaft zum Erfolg
Was aber auch dahinter steckt, ist weniger Glamour als harte Arbeit, die sich für die beiden aber nicht wie Arbeit anfühlt. Gerade am Anfang, sagt Alina, sei alles hineingeflossen: Zeit, Energie, Geld. Und vor allem Leidenschaft. Das Vollzeitstudium jongliert sie nebenbei. Beide haben immer zusammen gearbeitet. Morgens, mittags, abends. Heute sieht der Alltag anders aus. Mit zwei kleinen Kindern. Morgens starten sie gemeinsam im VOI in den Tag – mit ihrem ersten Kaffee und dem Blick aufs Wasser. Abends ist Hasan alleine da. Dann ist Alina bei den Kindern. Dass sie nicht mehr Vollzeit vor Ort sein kann, fehlt der 32-Jährigen sehr. Die Arbeit im Service fehlt ihr noch mehr. Beide sind sehr dankbar für ihr Personal, zuverlässig, herzlich und mit der gleichen warmen Ausstrahlung. „Bei uns gibt es keine großen Hierarchien“, so Hasan. Vielmehr verstehen sie sich als Team – als Menschen, die ihren Gästen eine gute Zeit bereiten wollen.
Was sie leben, setzt sich im Raum fort. Die Gestaltung des VOI ist kein starres Konzept, sondern ein fortlaufender Prozess, den beide gemeinsam entwickeln.
Ein leuchtend pinker Tisch setzt einen bewussten Akzent in der Mitte des Raumes. Dunkle Holzbalken ziehen sich über die Decke, dazu satte Petroltöne an Wänden und Polstern. Warme Lichtinseln, runde Leuchten und viel indirektes Licht sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Gedämpft, aber nicht dunkel – eher wie ein Filter, der alles etwas weicher wirken lässt. Klare, moderne Möbel treffen auf gemütliche Materialien. Samtige Stühle, Backstein, Holzlamellen und offene Regale mit Pflanzen schaffen eine Mischung aus Struktur und Leichtigkeit. Nichts wirkt gestellt – eher beiläufig und stimmig kuratiert. Dazwischen entstehen Nischen, Ecken und kleine Rückzugsorte.
Feiern unten, schlafen oben
Ein Highlight ist auch der Außenbereich, der Ponton am Fleth. Erst kürzlich haben die Celiks die Sonnenterrasse mit Glas überdacht. Mehr Helligkeit, mehr Weite. Wer dort Platz nimmt, fühlt sich schnell wie im Urlaub, sagt Alina. Sie auch. Doch während sie den Urlaub bei der Arbeit spürt, sind es tatsächlich viele, die auch Urlaub haben. Über dem Restaurant, in der alten Mühle, liegt das Hotel des Unternehmerpaars. Das VOI ist damit auch eine attraktive Location für geschlossene Gesellschaften. Feiern unten, schlafen oben. Innen finden rund 60 Gäste Platz, draußen auf der Terrasse noch einmal etwa 60.
Viele Hotelgäste finden ganz selbstverständlich den Weg ins VOI – morgens zum Frühstück, abends zum Essen oder einfach auf einen Drink. Die Cocktailkarte ist bewusst übersichtlich gehalten, aber auf den Punkt. Klassiker, sauber gemacht, dazu eigene Akzente: ein Altländer Mule mit Skin Gin, Limette, Ginger Beer und Ingwer. Ein Espresso Martini aus Wodka, Kahlúa und frischem Espresso. Oder der White Passion – alkoholfrei, mit weißem Pfirsich, Maracuja und Zitrone. Kein großes Tamtam.

Anders die Speisekarte. Die protzt – im besten Sinne. Kreativ, durchdacht, eigenständig. Nichts von der Stange. Im weitesten Sinne italienisch-mediterran interpretiert. Fünf bis sechs Vorspeisen, elf bis zwölf Hauptgerichte und drei Desserts. Viermal im Jahr wird die Karte neu geschrieben – mit klarem Fokus auf Saisonalität und Regionalität. Ein Blick auf die Gerichte: gebratene Maishähnchenbrust mit Cassissauce, grünem Spargel, Balsamico-Zwiebeln und Süßkartoffelpüree. Gratiniertes Lachsfilet mit Safransauce, glasierten Möhren, confierten Tomaten und Kartoffel-Selleriepüree. Oder zum Abschluss ein Popcorn-Parfait mit Mangosauce, Kekscrumble und Ahornsirup-Aprikosen.
Raffinesse zeigt auch das Deichlust-Menü
Gebeizter Lachs im Sesammantel auf Spargel-Avocado-Salat mit Mangochutney. Saltimbocca auf Bärlauch-Risotto, dazu glasierte Karotten, Rhabarber-Tarte mit Mascarpone-Creme und Apfelcrumble. Das Menü geht auf die Koch-Kappe von einem Koch-Duo. Manuel Willem (33) ist von Anfang an dabei. Seit April hat er in der Küche Verstärkung von Sascha Engel (40). Der Buxtehuder hat seine Ausbildung in der Insel in Stade gemacht und suchte eine neue Herausforderung.
Mit der erweiterten Besetzung könnte das VOI künftig einen zusätzlichen Tag öffnen. Bisher ist von Dienstag bis Samstag geöffnet – mit verlängerten Küchenzeiten bis 21.30 Uhr. Und wenn es eng wird, steht auch mal der Chef persönlich in der Küche. Nein, nicht als Sous-Chef. Hasan lacht: „Was ist niedriger?“ Da wird der Unternehmer auch mal zum Tellerwäscher. So läuft es hier. Und genau deshalb läuft es.

Text: Mona Adams · Fotos: Volker Schimkus
